Das Wesen des Schnauzers

Um den Charakter des Schnauzers zu analysieren und ihn somit auch besser zu verstehen, ist es ganz sicher ratsam, dass wir einen Blick zurückwerfen auf die Anforderungen und Leistungen, die die ländliche süddeutsche Bevölkerung vom Schnauzer erwartete. Stallhund, Rattenfänger, Ungeziefervertilger, Schweineherdenaufseher, hochgeschätzter Helfer bei Wildschweintreibjagden, Haus- und Hofwächter, Fuhrwerkbegleiter, Viehtreiber, Spielkamerad der Kinder, mit anderen Worten, er spielte eine allgemein nützliche Rolle auf allen Gebieten des ländlichen Lebens. Die meisten dieser Tätigkeiten führte er auf Wunsch und  unter Kontrolle des Menschen aus, aber es gab auch oft Situationen, in denen er auf sich alleingestellt war, und somit musste er seine eigene Initiative und sichere Entschlusskraft beweisen. Wir müssen berücksichtigen, dass sich all diese Dinge sowohl im Sommer als auch im Winter abspielten, an sonnigen, regnerischen, verschneiten oder frostigen Tagen. Er genoss die Gemütlichkeit am Kamin im Wohnzimmer, die feuchte Wärme in den Pferdeställen und im nächsten Moment zog er es vor, seinen Herren freudig im Regen zu begleiten. Ganz bestimmt, der Schnauzer hat nichts mit einem verhätschelten Schoßhund gemein!

Von diesem Hintergrund ausgehend, liegt es auf der Hand, dass die Hauptcharakteristika des Schnauzerwesens Fröhlichkeit, Entschlusskraft und Zuverlässigkeit sind. Er ist ein fröhlicher Hund, weil ihm alles, was er tut, Spaß macht, anderes auszuführen, ist er niemals bereit! Er ist ein entschlussfreudiger Hund, der wenn er sich einmal entschieden ha, sein Ziel beharrlich verfolgt, und nicht selten zeigt er eine Art sturere Dickköpfigkeit. Er ist ein zuverlässiger, treuer Kamerad, was nicht mit untertäniger Unterwürfigkeit verwechselt werden darf, denn, wenn es um den Schnauzer geht, muss das Wort >Treue< im edlen sinne von >Loyalität< verstanden werden.

In aller Offenheit muss ich kennen, dass der Schnauzer ein phantastischer Hund ist. Aber irren wir uns nicht! Er lässt sich weder wie ein Computer programmieren, noch zeigt er sklavische Untertänigkeit. Ein Schnauzer ist ein Spitzbube mit einem Schuss charmanter Eigenwilligkeit und er ist nur bereit, sein er an jemanden zu verschenken, der ihm dafür nicht würdig genug erscheint. Dann aber bleibt er bis zu seinem Lebensende der zuverlässige Kumpel seines Herrn und seiner Familie. Nicht, dass er andere Leute ignorieren würde, aber gesundes Misstrauen gegenüber allen Fremden ist ein typischer Charakterzug des Schnauzers. Wenn er nach Überprüfung des Fremden von dessen guten Absichten überzeugt ist, ist er bereit ihn zu akzeptieren.

Wird er von Gegnern bedroht, kämpft er wie ein Teufel. Wenn die Gegner andere Schnauzer oder andere fremde Hunde sind, verschafft er sich kurzerhand Respekt. Er wächst problemlos mit anderen Hunden auf, wenn einmal die Rangfolge in der Meute hergestellt ist. Sind also die Strukturen in der Meute erst einmal erstellt, ist ein Schnauzer kaum bereit, einen Eindringling zu dulden, besonders dann nicht, wenn der fremde Hund sich nicht an die allgemeine Verhaltensregel des untertänigen Werbens hält. Daher die Warnung- ein wohlerzogener Schnauzer will nicht unbedingt den Kampf auslösen, aber es bedarf oft nur eines kleinen Funkens und erstellt blitzschnell seinen Kampftrieb unter Beweis.

Mit der vortrefflichen Beschreibung des Schnauzers aus der Feder Alfred Höhns möchte ich gerne diesen Punkt abschließen:

>Form und Wesen sind beim Schnauzer von einer seltenen Harmonie, denn was er ist und was er kann, zeigt er auch in seinem Äußeren. Die raue Schale macht uns seine Widerstandskraft deutlich, der kräftige Bau verkörpert seinen Schneid, der schöne Kopf verrät uns seine Intelligenz, und die Augen spiegeln wider, welch große Hundeseele in seinem inneren wohnt. Seine ruhige Gelassenheit ist kein müdes Phlegma, sein Temperament ist keine nervöse Übertreibung, seine Treue keine sklavische Unterwerfung und sein Schneid keine blinde Raserei. Er ist weder eine aufgeputzte Salonschönheit noch ein bulliger Muskelprotz, er ist keine verzärtelte Modepuppe und kein blutgieriger Reißer - er ist ein ganzer Kerl!<

So gelesen (und selber erfahren) bei Johann Gallant > Das grosse Schnauzer Buch<

Ihre Sandra Zimmermann